Dunkle Gestalten werden heller...

Das Thema der eigenen Täterschaft beschäftigt mich in letzter Zeit viel, sowohl persönlich als auch in der Praxis. Wenn wir davon ausgehen, dass wir bereits unzählige Leben hinter uns haben, so waren wir alle mal Täter, mal Opfer. Wem die Reinkarnationstheorie nicht passt, kann stattdessen davon ausgehen, dass unsere Vorfahren das alles erlebt haben und dass das weiterhin einen enormen Einfluss auf unser jetziges Leben hat. Das heutige Leben verläuft zwar diesbezüglich friedlicher. Mord und Totschlag sind etwas Besonderes geworden, und das ist auch gut so! Trotzdem leben die Gedächtniseinspeicherungen und die Muster der Opfer-Täter-Kreisläufe in uns allen weiter, so dass wir uns gegenseitig emotional verletzen oder missbrauchen. Oder dass viele Menschen auf politischer Ebene Regierungen wählen, die aus Tätern bestehen und die ganz andere Interessen haben als die der Wähler. Die Einflüsse dieser Muster sind auf vielen Ebenen zu finden, können aber geheilt werden.

Beeindruckend finde ich den Umgang mit Tätern in Norwegen. Das Land zeigt, was möglich ist, wenn man menschenzugewandt ist. Das Credo: Irgendwann wird der Täter aus dem Gefängnis entlassen und wird zum Nachbarn von jemand anders. Man möchte eine gute Nachbarschaft; und auch die Fähigkeiten des Alltags, also Haushaltsführung, berufliche Tätigkeit, sind wichtig ebenso die Freizeitgestaltung und die Einbindung in soziale Kontexte. Zu sehen ist das Ganze in der halbstündigen Arte-Doku "Urlaub statt Knast". Die Doku hat mich auch an einen Spielfilm erinnert, den mein Mann und ich uns vor vielen Jahren angesehen haben. "Adams Apfel" hieß er. Das Thema ist gleich: Es geht um die Rehabilitation von Gewalttätern. Die Herangehensweise ist aber humoristisch-grotesk.

 

Wir benutzen Cookies

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.