Kommentar zu "Bovenschulte zu Querdenkern: "Abstoßend, zynisch und dumm"

In diesem Kommentar beziehe ich mich auf den Artikel "Bovenschulte zu Querdenkern: "Abstoßend, zynisch und dumm"", erschienen am 30. November 2020 auf butenunbinnen online.

Die Frage, die sich beim Lesen des Kommentars stellt, ist, wie jemand sich Demokrat nennen und dann Andersdenkende so pauschal schubladisieren und abwerten kann, ohne sich höchstwahrscheinlich mit ihren Positionen befasst zu haben. Und warum das so einfach möglich ist. Der Hinweis auf das Sich-nicht-befasst-haben liefert der Artikel, denn es gibt da keinerlei konkrete Begründung (sondern nur leere Phrasen, z. B. Verschwörungsmythen, Schwurbeleien) für die Kategorisierung und Abwertung, also, was konkret abstoßend, zynisch und dumm ist. 

So, es geht anscheinend ganz einfach, jedenfalls von einer bestimmten Position aus. Es wird sogar als Headline in einem städtischen Hauptmedium veröffentlicht. Das Narrativ steht felsenfest. Der Zug fährt immer weiter. Immer auf dem selben Gleis... Parallel dazu der Demaskierungs-Express, der es uns ermöglicht, hinter die Masken zu schauen. Die Sprache verrät einiges darüber. Ebenso die Körperhaltung.

Was passiert da auf der Kopf-Ebene? Ich denke, das ist eine ganz gewaltige kognitive Verzerrung, die da in den Köpfen vor sich geht. Diese Politiker, hier durch Herrn Bovenschulte repräsentiert, halten sich ja für Demokraten. Auch denken sie, dass sie andere Meinungen respektieren, aber es gäbe eben eine Toleranzgrenze (die auch durch eigene blinde Flecken gebildet wird). Sprich, es gibt keine Notwendigkeit, gegenüber den sog. Intoleranten (Nazis, Verschwörungstheoretikern usw.) klassisch-demokratisch gesinnt zu sein. Ein guter Demokrat zeigt da klare Kante, distanziert sich, bezieht negativ Stellung (ja, auch so abwertend). Das ermöglich aber, auch alle Meinungen und Sichtweisen, die sich im blinden Fleck befinden, pauschal abzuwehren und abzuwerten. Praktisch, nicht? Es scheint in sich kohäsiv (geschlossen-stimmig für nur dieses System) zu sein, so dass die Widersprüche gar nicht auffallen. Wir, Sensiblen, sehen und fühlen sie natürlich überall, haben große Augen der Verwunderung oder manchmal sogar der Scham oder des Ekels... Und so schützt man sein Selbst- und Weltbild. Enttäuschend – auch im Sinne des Endes der Täuschung – ist es für alle, die versuchen, sich verständlich zu machen und auf das in der Diskussion Fehlende hinzuweisen. Demaskierend ist es allemal. Egal, wie viele Masken man sich aufsetzt, ob eine zum Schutze vor Viren aus Stoff oder die des Demokraten, DIE Maske ist gefallen. Bezeichnend ist ebenfalls der Hinweis darauf, ob die Demonstration, die am 5.12.2020, noch verboten wird. Als wäre so eine Demonstration eine Geburtstagsfeier von "dummen Kindern" oder so etwas Ähnliches. Hier werden nicht nur rechtsstaatliche Prinzipien offensichtlich verletzt (Die Aufgabe des Staates ist es dafür zu sorgen, dass demonstriert werden kann, und nicht sich selbst vor anderen Meinungen zu schützen), sondern auch die des offenen Diskurses. Unter dem Vorwand des Infektionsschutzes wird (mal wieder) versucht, Andersdenkende (die übrigens gar nicht so anders sind) für etwas haftbar zu machen, z. B. einen in der Gesellschaft herrschenden Dissens oder steigende Infektionszahlen, wofür sie gar nicht verantwortlich sind. Das ermöglicht aber die Darstellung des anderen Teils der Bevölkerung als "brave Kinder", ähmm... ich meine "gute Bürger", die jetzt Verzicht üben, weil sie ja vernünftig sind, dafür aber Weihnachten feiern dürfen. Dafür sollten sie sich bitte noch dankbar zeigen, wenn man's weiter spinnt. 

Eine andere Ebene besagt: "Wer über andere spricht, spricht über sich selbst". Die Aussagen lassen sich immer aus der Sie- in die Ich-Form transferieren und geben Aufschluss über innere Prozesse, die der Person, die sich äußert, nicht einmal zugänglich sein müssen. Die Botschaft wäre dann: "Ich bin abstoßend, zynisch und dumm." Ebenfalls erst einmal ohne Beweise, sondern als pauschale Selbst-Abwertung. Es gilt übrigens: Wer andere abwertet, wertet auch sich selbst ab. Ja... Ich spüre einen inneren Schmerz, wenn ich diese Zeilen von Herrn Bovenschulte lesen... Das ist aber nicht meiner, sondern einfach ein menschlicher... "Fremdschämen" hat jemand dazu gesagt. Das trifft es ganz gut... Denn derjenige, der das äußert, scheint seine Scham abgestoßen zu haben... Er ist schamlos, da er weder seine (menschlichen) Grenzen noch die der anderen respektiert. Und so verliert er sein Gesicht im Bemühen es nicht zu verlieren und als respektabel zu gelten. Verlieren kann man übrigens nur eine Maske, niemals sein Gesicht, aber das wissen viele wohl nicht... Und so klammern sie sich an ihre Masken, als wäre es ihr Gesicht.

Was kann man machen? Der Zug fährt und fährt... Die Notbremse ziehen? Das wäre sehr unangenehm, aber sicherlich wirksam... Nur steht das nicht in meiner Macht, die Notbremse zu ziehen und auch nicht in der vieler anderen Menschen... Vielleicht müssen viele Menschen mit der Impfung so richtig auf die Nase fallen?... Kurze Entwicklungszeit, viel Experimentelles dabei, wenig Überprüftes, was man sich da injizieren lässt. Schäden sind nicht auszuschließen. Das alles wird gerne mal ausgeblendet. So sind wir Menschen... Statt an die Ursachen zu gehen, hoffen wir auf eine Rettung. Wir lernen häufig erst, wenn etwas gewaltig schiefgegangen ist und wir nicht mehr kompensieren können. So oder so lässt sich das nur wenig beeinflussen bis auf die Tatsache, dass jeder gefragt ist, seine Position zu suchen und bei sich zu bleiben. Und dann werden wir sehen, was passieren wird. Nur weil sich im Vordergrund solche Dinge abspielen, werden dadurch die hintergründigen Prozesse, die alle immer wellenartig kommen und denen die Politiker anscheinend sehr misstrauen, denn sie wollen die ganze Zeit Wellen kontrollieren und brechen, nicht ausgeschaltet. Also konzentriere ich mich auf diese hintergründigen Prozesse und gehe mit der Welle mit. Und du?

 

Bildnachweis: geralt

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