November 2020, das Kollektive & das Feld

Dieser Beitrag erschien erstmalig im freiRaum-Newsletter Dezember 2020. 

 

Liebe freiRaum-Freunde,

der November stand unter dem Zeichen des Kollektiven. In fast allen Sitzungen ging es um die Frage, inwiefern man noch an das verzerrte Kollektive (von einigen auch „System“ oder „Sumpf“ genannt) angebunden ist, z. B. durch eigene oder fremde Schuld- oder Schamgefühle, durch eine Krankheit oder – ganz banal – durch einen Arbeitsvertrag. Und ob man jetzt an den Punkt gekommen ist, damit eine neue Beziehung aufzunehmen. Lautet die Antwort Ja, erfordert sie dann eine größere Distanz zum Kollektiven, das sich aus der Herkunftsfamilie wie auch allgemein aus der Gesellschaft und aus der Kultur speist, sowie das Etablieren einer klaren Grenze zu diesem kollektiv-beladenen, traumatisierten und vergangenheitssüchtigen Bereich. Wenn die ungesunde Bindung gelöst und die Grenze zum ersten Mal etabliert ist, kommt aus der gesunden Distanz heraus Ruhe in das eigene System. Die Fähigkeit, direkt im Feld zu lesen, die viele meiner Klienten als Gabe besitzen, wird freigeschaltet bzw. erweitert.

Was ist aber dieses Feld? Wer den Begriff nicht kennt, möge das Feld mit dem Internet vergleichen. Mittlerweile denke ich, dass das Internet ein menschlicher Versuch ist, das Feld nachzubilden. Nur dass im Internet viele Informationen gefärbt, unwahr oder unvollständig sein können. Das Feld hingegen speichert alle Informationen über alles und alle so, wie sie sind. Es sind keine Wissensinformationen und Fakten, wie wir uns sonst Informationen vorstellen, wobei auch alles über Ereignisse und Erlebnisse darin gespeichert ist. Die Informationen bestehen allerdings aus Wahrnehmungen und nicht aus kognitivem Wissen.

All meine Klienten, die selbst mit Menschen als Therapeuten, Psychologen, Lehrer, Erzieher usw. arbeiten, und das sind fast alle, haben durch den direkten Zugang zum Feld die Möglichkeit, alle Informationen, die sie für ihren Beruf und ihre Berufung brauchen, direkt zu beziehen. Eine wundervolle Gabe, die mit besonderer Verantwortung einhergeht! Im Unterschied zum Internet, in das ich falsche Informationen einspeisen oder aus Neugierde etwas über jemanden herausfinden kann, lässt das Feld das nicht zu. Es bedient nur berechtigte Interessen. Ein berechtigtes Interesse besteht dann, wenn es meiner eigenen Entwicklung oder aber meinen Lebensaufgaben / meiner Berufung dient. Das entspannt auch zugleich: Alle Informationen, die ich brauche, werde ich also sowieso bekommen. Manchmal sind es aber gefühlt zu viele. Man wird überflutet, ohne dass man es sich aussuchen kann. Viele Klienten beschreiben diese Überforderung und auch die Herausforderung, dass sie nicht wissen, wohin mit diesen Wahrnehmungen, zumal viele ihrer Beziehungspartner sie nicht verstehen. Ganz abgesehen von der Schwierigkeit, bestimmte Wahrnehmungen in Worte zu fassen! Ich kann alle beruhigen: Mit der Zeit lernt man, viele Wahrnehmungen einfach durchzulassen. Das geschieht von alleine. Man bekommt eine Information, die zu irgendetwas gut ist. Ich beschäftige mich nicht weiter mit der Information oder ihrem Sinn und Zweck, sondern lasse sie zu und durch. Wenn ich sie später brauche, wird sie eh wieder auftauchen. Es ist kein Festhalten notwendig. Wenn eine Information hängen bleibt, ist es ein Hinweis, dass sie aktuell wichtig ist. Aus welchem Grund? Das lässt sich nicht so pauschal sagen. Vielleicht ist es ein Hinweis auf etwas Ungelöstes, worum ich mich kümmern sollte. Oder es betrifft meine Berufung oder mein Sein und Wirken in der Welt.

Wo wir beim Thema Wirken sind. Die zweite Fähigkeit, die freigeschaltet oder weiterentwickelt wird, besteht darin, Informationen ins Feld zu speisen. Das ist auch vergleichbar mit dem Internet, wo ich etwas posten kann, z. B. einen Artikel, eine Ankündigung. Natürlich tun wir alle das unentwegt: Informationen aus dem Feld beziehen (linke Körperseite) und dort wieder einspeisen (rechte Körperseite). Hier geht es mir aber um eine andere Qualität, die in einer direkten Verbindung besteht und auch im Bewusstsein, was wir da eigentlich tun. Von einer Klientin hörte ich dann Zweifel bezüglich dieser Fähigkeit. Sie zweifelte die Richtigkeit dessen an, was sie in das Feld gab und hielt sich damit zurück. Die innere Ampel schaltet auf einmal auf Gelb oder sogar auf Rot. Die Zweifel kommen aber von wo anders, denn tief innen wissen wir genau, was zu tun ist. Vielleicht ist es noch die Anbindung an den Sumpf, an dieses verwirrte Kollektive, der kein Vertrauen oder vielleicht Verwirrung entstammen, was sich dann in Selbstzweifeln und Misstrauen den eigenen Impulsen und der eigenen Wahrheit gegenüber äußert. Und es hat etwas mit der eigenen Macht und Ohnmacht zu tun. Macht kommt ja von mögen. In „vermögen“ ist noch die alte Bedeutung des Könnens enthalten. Es geht also darum, zu machen, etwas zu können, etwas machen zu können. Wenn die eigene Macht aber noch (teils) im Kollektiven steckt – darauf beruht unsere ganze gesellschaftliche und kulturelle Ordnung, dass Menschen „freiwillig“ oder unfreiwillig, aus Ohnmachtserfahrungen heraus, auf ihre Macht teils oder ganz verzichten, natürlich „nur zu ihrem eigenen Wohle“ – dann gibt es ein Problem mit dem Vertrauen, dass man auch das Richtige ins Feld einspeist. Platt ausgedrückt: Besitze ich meine Macht, so stehe ich zu meiner Wahrheit und speise automatisch das Richtige ins Feld ein. Der Gedanke an den Zweifel existiert nicht.

Was für eine Gabe und eine Gnade, diese Talente und Fertigkeiten zu besitzen und zu benutzen! Da das Feld missbrauchssicher ist – im Unterschied zu menschengemachten Dingen wie das Internet oder die gesellschaftlich-politische Ordnung – ist jeder, der diese Gaben freilegt und lebt, ein Segen. Ein Segen für sich und für die Menschheitsfamilie. Feststeht: Wir brauchen mehr davon!

 

 

Bildnachweis:
Bilder von Pixabay

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