Der nächste Abschied

Die letzten Monate waren dem Prozess gewidmet, zu überprüfen, was ich noch in meinem Leben brauche und was nicht. "Das Richtige aus den richtigen Gründen tun, alles andere kann weg!", so lautet die Devise. Schritt für Schritt unterzog ich verschiedene Lebensbereiche dieser Überprüfung, angefangen bei Beziehungen und Dingen. Ich führe es nun fort bei solchen Themen wie Gewicht und Verhaltensweisen. Wer glaubt, dass schnelle Änderungen nicht möglich sind, liegt falsch. Sind die Voraussetzungen für eine Änderung geschaffen, vollzieht sie sich praktisch wie von alleine.

Nun ist es auch an der Zeit, meine Espressomaschine in gute Hände weiterzugeben. Mit Espresso & Co habe ich mich jahrelang beschäftigt. Wenn Besuch zu Hause war, sagte ich, dass ich den weltbesten Kaffee in Bremen servieren würde. Sicherlich stimmte das auch. Jedenfalls meistens. *lach Anfang dieses Jahres merkte ich aber immer mehr, dass mir der Kaffee stimmungsmäßig nicht gut tat. Als ich noch mehr Informationen über seine Wirkungsweise las und sie mit meinen  Nebenwirkungen abglich, entschied ich mich für die entkoffeinierte Variante. Die Nebenwirkungen waren weg. Der Kaffee schmeckte genauso gut. Das Problem mit der Milch blieb. Schon seit längerer Zeit war mir bewusst, dass es aus verschiedenen Gründen nicht optimal ist, Milch zu trinken. Die veganen Alternativen, die ich sogar mal selbst herzustellen versuchte, überzeugten mich nicht. Neulich versuchte ich es wieder: Ich schmeckte nur noch Mandel und 0 Kaffee. Die Milch blieb alternativlos und wurde zumindest von einem Demeter-Betrieb bezogen, bis sie mir auf einmal – unglaublich, aber wahr – nicht schmeckte! Dem vorangegangen war eine kurze eigene Aufstellung, in der sich herausstellte, dass ich Kaffee mit Milch trinke um mir gute Gefühle zu machen. Innerlich beschloss ich, diese Gefühle einfach selbst zu erzeugen und es auf diese Weise zu probieren. Das Resultat: Mehrere Pakete vorsorglich gekaufter Milch landeten wenige Tage später im Spülbecken. Meine Americano-Zeit begann. Das schmeckte auch, wenn auch das Cremig-Luftige verschwunden war. Kurze Zeit später war die Zeit der Trennung gekommen. Heute habe ich die Fotos gemacht und das Verkaufsangebot erstellt. Die Silvia wird jemand anders gute Dienste leisten und gut und lebensfroh durch den Tag bringen.

Ich erinnere mich noch gut an die Anfangszeit, denn so einen Espresso zu kochen ist eine Wissenschaft für sich. Welche Mühle? Welche Einstellungen? Welche Brühtemperatur? Welches Sieb? Welche Menge? Welcher Anpressdruck? Monatelang las ich in einschlägigen Foren herum, experimentierte herum, genoss den ersten Erfolg. Ich hatte damals eine DeLonghi Dedica, einen vereinfachten Siebträger. Wenige Zeit später folgte der Umstieg auf eine richtige Maschine: die Rancilio Silvia. Silvia ist DER Siebträgerklassiker fürs Zuhause. Da sie nur einen Wasserkreislauf hat, ist sie vergleichsweise günstig in der Anschaffung. Dafür braucht es eben Zeit, bis die Milch aufgeschäumt ist. Meine Gäste bewunderten meine Leidenschaft. Der Aufwand war doch groß – kein Kaffee auf Knopfdruck eben. Sehr lecker, aber der Preis, v. a. zeitlich, doch relativ hoch. Das ging eben nur über Leidenschaft, über das Zelebrieren des Zubereitens und des Moments.

Diese Zeit ist nun vorbei. Ich gehe weiter meinen Weg, jetzt ohne Kaffee. Schon interessant. Das ist etwas, wovor alle Menschen, natürlich auch während der Praxissitzungen, Angst haben: "Wer bin ich dann nach so einer Sitzung? Bin ich dann ein anderer Mensch? Werde ich mich noch wiedererkennen?" Vielleicht ist es beruhigend zu wissen, dass es mir genauso geht. Gestern trank ich noch Kaffee. Heute trinke ich keinen. Vor 2 Wochen schäumte ich noch fleißig Milch auf und löffelte herum im Latte Macchiato. Und heute gehört es nicht mehr zu meinem Selbstbild dazu. Es ist schlanker geworden. Wie man das so schön sagt: Weniger ist manchmal mehr!

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